Zwischen Idee und Buch liegt das, was die meisten unterschätzen: ein Projekt. Vier Schritte, die aus einer vagen Vision ein Manuskript machen, an dem du dranbleibst.

Worum es geht

Die meisten Buchprojekte scheitern nicht am Schreiben. Sie scheitern an der Lücke zwischen „Ich habe eine Idee" und „Ich weiß, was ich morgen früh tun muss, um voranzukommen". Diese Lücke ist das Projekt.

Ein Buch ist kein Geistesblitz. Es ist ein Projekt mit Phasen, Zwischenzielen und einer Methodik, die du erlernen kannst. In 250+ begleiteten Buchprojekten hat sich ein Vier-Schritte-Pfad herauskristallisiert, der konsequent funktioniert.

Schritt 1: Idee auf eine Seite bringen

Bevor du anfängst zu schreiben, brauchst du Klarheit. Klarheit heißt: alles, was du über das Buch weißt, passt auf eine Seite.

Drei Elemente gehören drauf:

Thema in einem Satz. Worum geht es? Was ist die eine zentrale Aussage oder der eine Nutzen? Wenn du dieses Buch in einem Satz nicht erklären kannst, ist es noch keine Buch-Idee. Es ist eine Themengruppe.

Kernbotschaft. Was soll der Leser nach der Lektüre mitnehmen? Eine Erkenntnis, einen Handlungsimpuls, eine Orientierung. Wenn du nicht sagen kannst, was der Leser nach Seite 200 anders weiß oder anders tut, fehlt das Versprechen.

Erste grobe Gliederung. Drei bis sieben Kapitel oder Themenblöcke mit je ein bis zwei Stichpunkten. Noch nicht perfekt. Nur um zu sehen, ob die Idee überhaupt trägt. Wenn du nach drei Kapiteln nichts mehr zu sagen hast, ist es ein Artikel, kein Buch.

Schritt 2: Zielgruppe und Nutzen klären

Hier scheitern die meisten Konzepte. „Mein Buch ist für alle, die sich für X interessieren" ist keine Zielgruppe. Das ist eine Hoffnung.

Zielgruppe. Wer soll das Buch lesen? Beschreib eine konkrete Person. Alter, Situation, Interesse, Schmerzpunkt, Wunsch. Je präziser du sie kennst, desto präziser kannst du schreiben.

Nutzen. Was hat diese Person davon? Formulier es aus ihrer Sicht, nicht aus deiner. „Nach dem Buch kann ich…" oder „Ich verstehe endlich…". Wenn du den Nutzen nur abstrakt formulieren kannst, schreibst du am Markt vorbei.

Ohne diese Klarheit driftet das Schreiben ab. Du wirst Beispiele für Personen einbauen, die nie deine Leser sind. Du wirst Themen anschneiden, die in dein Inhaltsverzeichnis gehören, aber nicht in dieses Buch.

Schritt 3: Grobstruktur und Kapitelplan

Jetzt baust du die Architektur. Aus der ersten Gliederung wird ein echter Kapitelplan.

Pro Kapitel zwei Dinge:

  • Eine Überschrift, die neugierig macht oder ein Problem benennt
  • Zwei bis drei Stichpunkte, was inhaltlich drin steht

Dann prüfst du den roten Faden. Folgt jedes Kapitel logisch auf das vorige? Fehlt ein Schritt? Hast du an einer Stelle zu viel, an einer anderen zu wenig?

Diese Struktur ist dein Fahrplan. Du kannst sie beim Schreiben anpassen — sie wird sich anpassen, das ist normal. Aber du hast eine Richtung. Wer ohne Kapitelplan anfängt, schreibt sich auf Seite 60 in eine Sackgasse, aus der er nur mit erheblichem Aufwand wieder rauskommt.

Schritt 4: Schreibplan und Start

Jetzt wird aus dem Projekt eine Praxis.

Zeit. Wann schreibst du? Feste Termine pro Woche. „Wenn ich Zeit habe" ist kein Schreibplan, das ist Aufschieben. Konkret: Dienstag und Donnerstag von 19 bis 21 Uhr. Oder Samstagmorgen 8 bis 10 Uhr.

Umfang. Wie viel pro Session? Zeichen, Wörter oder Kapitel. Ein realistisches Maß. 500 Wörter pro Schreibtag sind viel — wenn man sie wirklich jeden Schreibtag schreibt. 3.000 Wörter sind unrealistisch und führen zu Frust.

Start. Beginne mit dem Kapitel, das dir am leichtesten fällt. Nicht zwingend mit Kapitel 1. Rohfassung heißt: einfach runterschreiben, ohne sofort zu korrigieren. Volumen vor Polierung.

Was du jetzt tun kannst

Nimm dir 30 Minuten. Beantworte die drei Fragen aus Schritt 1 schriftlich. Ein Satz Thema, ein Satz Kernbotschaft, eine Liste von drei bis sieben Kapiteln. Auf einer Seite.

Wenn die Seite voll wird, hast du eine Idee, die trägt. Wenn sie leer bleibt oder verschwommen wirkt, ist das auch ein Ergebnis. Dann ist die Idee noch nicht reif. Das ist kein Scheitern, das ist Klarheit über den nächsten Schritt: nicht schreiben, sondern denken.

Aus einer vagen Vision wird ein konkretes Projekt, sobald du die Klärung in eine schreibbare Form gebracht hast. Eine Seite. Vier Schritte. Dann der nächste Kapitel-Anfang.

Markus Coenen — Autorencoach

Markus Coenen

Autorencoach für Unternehmer und Experten. Begleitet seit 2003 Sachbuchprojekte von der Idee bis zum Bestseller. Über 250 begleitete Buchprojekte.

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