Ein gutes Buch-Exposé zeigt in kurzer Form, welches Buch du planst, für wen es relevant ist, wie es sich im Markt unterscheidet und warum du es glaubwürdig schreiben und zu seinen Lesern bringen kannst.

Die kurze Antwort: Ein Sachbuch-Exposé enthält Arbeitstitel und Pitch, Konzept, Zielgruppe, Nutzenversprechen, Markt und Vergleichstitel, Autorenvita, Marketingansatz, eine kommentierte Gliederung und die verlangte Leseprobe. Umfang und Reihenfolge richten sich immer nach den Vorgaben des Verlags oder der Agentur.

Wenn du das Thema als zusammenhängendes System vertiefen willst, führt dich die Buchseite Das perfekte Exposé Schritt für Schritt vom Nutzenkern bis zum einreichfähigen Sachbuch-Exposé.

Was ist ein Exposé für ein Buch?

Das Exposé ist die verdichtete Entscheidungsgrundlage für dein Buchprojekt. Es zeigt einem Verlag oder einer Literaturagentur den Inhalt, den Markt und die Person hinter dem Buch. Bei einem Sachbuch kann es bereits vor dem vollständigen Manuskript eingereicht werden. Die jeweilige Ausschreibung entscheidet, welche Unterlagen erwartet werden.

Ein Exposé muss zwei Perspektiven verbinden. Es erklärt die Idee so klar, dass ein Lektor ihren Wert erkennt. Und es zeigt, dass aus der Idee ein tragfähiges Buch für eine erkennbare Leserschaft werden kann.

Genau deshalb ist das Schreiben so nützlich. Die Arbeit am Exposé deckt Lücken auf, bevor du Monate in ein Manuskript investierst. Wo der Pitch ausufert, fehlt oft die Kernbotschaft. Wo die Zielgruppe schwammig bleibt, wird später auch die Ansprache schwammig.

Wenn du Idee, Zielgruppe und Nutzenversprechen nicht allein im Kreis drehen, sondern im Sparring schärfen willst, ist das Autorencoaching für Sachbuchautoren der passende Rahmen von der Positionierung bis zum Launch.

Wie lang sollte ein Buch-Exposé sein?

Es gibt keine allgemeingültige Seitenzahl. Manche Häuser erwarten ein kurzes Konzept plus Gliederung und Leseprobe. Andere nennen detaillierte Module. Prüfe vor jeder Einsendung die Website des Zielverlags und passe dein Dokument an dessen Anforderungen an.

Der offizielle Exposé-Leitfaden des Hirzel Verlags verlangt zum Beispiel Buchdaten, ein Konzept von höchstens einer Seite, Zielgruppe, Inhalt, Quellen, Konkurrenz und Abgrenzung, eine vollständige Gliederung, ein Probekapitel sowie Angaben zum Autor. Das ist ein gutes Arbeitsgerüst. Es ersetzt keine verlagsindividuelle Prüfung.

Als Grundregel gilt: so kurz, dass jede Seite eine Entscheidung erleichtert, und so vollständig, dass die wesentlichen Fragen beantwortet sind. Eine Leseprobe wird meist als eigener Teil oder separate Datei behandelt. Zähle sie deshalb nur dann zum Exposé Umfang, wenn der Empfänger das ausdrücklich so vorgibt.

Exposé schreiben: der Aufbau in neun Bausteinen

1. Buchdaten und Arbeitstitel

Beginne mit einer übersichtlichen Kopfseite. Nenne Arbeitstitel, Untertitel, Genre oder Warengruppe, geplanten Umfang, Manuskriptstatus, gewünschte Abbildungen und deine Kontaktdaten. Ein Arbeitstitel darf sich später ändern. Er muss das Projekt heute schon verständlich machen.

Wenn dein Titel noch offen ist, markiere ihn als Arbeitstitel. Prüfe zugleich, ob Titel und Untertitel Thema, Zielgruppe und Nutzen tragen. Dafür findest du hier den getrennten Leitfaden zum Buchtitel finden und testen.

2. Pitch in zwei bis vier Sätzen

Der Pitch ist die kürzeste belastbare Fassung deines Konzepts. Er beantwortet drei Fragen:

  • Für wen ist das Buch?
  • Welches konkrete Problem oder Ziel bearbeitet es?
  • Welcher eigene Weg führt zum Ergebnis?

Beispiel: Dieses Sachbuch richtet sich an selbstständige Experten, deren Wissen groß und deren Angebot schwer erklärbar geworden ist. Es zeigt einen fünfstufigen Prozess, mit dem sie ihre stärkste Zielgruppe, ein verständliches Ergebnisversprechen und eine wiederholbare Methode herausarbeiten. Fallbeispiele aus Beratungsprojekten machen sichtbar, wie aus fachlicher Tiefe eine klare Positionierung entsteht.

Der Pitch ist kein Werbeslogan. Er ist ein kleines Modell des ganzen Buches. Wenn jeder Satz eine andere Richtung öffnet, braucht das Konzept noch eine weitere Runde.

3. Konzept und Nutzenversprechen

Beschreibe auf etwa einer Seite, welche Ausgangslage du beobachtest, welche Kernthese du vertrittst und welche Entwicklung das Buch ermöglicht. Erkläre auch, wie du vorgehst: mit einer eigenen Methode, Reportagen, Interviews, wissenschaftlichen Quellen, Fallstudien oder Übungen.

Schreibe aus Sicht des Lesers. Welche Entscheidung kann er nach dem Buch besser treffen? Welches Verhalten verändert sich? Welche Fähigkeit gewinnt er? Ein Thema beschreibt das Feld. Ein Nutzenversprechen beschreibt die Bewegung.

4. Zielgruppe konkret beschreiben

Alter und Berufsgruppe reichen selten. Zeige die gemeinsame Situation deiner Leser:

  • Was wollen sie erreichen?
  • Woran scheitern ihre bisherigen Versuche?
  • Wie dringend ist das Problem?
  • Welche Bücher, Medien oder Angebote nutzen sie bereits?
  • Über welche Kanäle kannst du sie erreichen?

Eine primäre Zielgruppe schafft Fokus. Weitere Gruppen können folgen, wenn ihre Relevanz nachvollziehbar ist. „Alle Menschen, die sich weiterentwickeln wollen“ beschreibt keinen erreichbaren Markt.

5. Markt, Vergleichstitel und Abgrenzung

Nenne drei bis sechs aktuelle Bücher, die denselben Leser, dasselbe Problem oder dasselbe Regal bedienen. Notiere Erscheinungsjahr, Verlag, Perspektive und erkennbare Stärke. Danach zeigst du deinen eigenen Platz.

Vergleichstitel sind kein Beweis gegen Originalität. Sie zeigen, dass du das Umfeld kennst. Die Abgrenzung kann in der Methode, Zielgruppe, Datenbasis, Tonalität, Aktualität oder Erfahrung liegen. „Mein Buch ist persönlicher“ wird erst stark, wenn du erklärst, welche persönliche Erfahrung zu welchem neuen Erkenntnisgewinn führt.

Schwach: Es gibt kein vergleichbares Buch.

Tragfähiger: Titel A erklärt Positionierung aus Marketingsicht. Titel B richtet sich an große Unternehmen. Mein Buch überträgt die strategischen Grundlagen in einen dokumentierten Prozess für Soloexperten und zeigt jeden Schritt an drei durchgehenden Fallbeispielen.

6. Autorenvita und fachliche Glaubwürdigkeit

Die Vita beantwortet eine einzige Frage: Warum kannst gerade du dieses Buch schreiben? Wähle Erfahrung, Ausbildung, Forschung, Veröffentlichungen und Projekte danach aus, wie direkt sie das Buch stützen.

  • Fachliche Basis: relevante Berufserfahrung, Forschung, Ausbildung und eigene Methode.
  • Beobachtungstiefe: Zahl oder Art der Fälle, Interviews, Daten oder Projekte, auf die du dich stützt.
  • Publizistische Erfahrung: bisherige Bücher, Fachbeiträge, Newsletter, Vorträge oder Medienarbeit.

Ein vollständiger Lebenslauf erzeugt Länge. Eine ausgewählte Vita erzeugt Relevanz. Belege deinen Bezug zum Thema und lass Stationen weg, die für diese Entscheidung keine Rolle spielen.

7. Reichweite und Marketingansatz

Beschreibe vorhandene Wege zu den Lesern ehrlich und mit belastbaren Zahlen: Newsletter, Social Media, Podcast, Vorträge, Kunden, Fachverbände, Medienkontakte oder Kooperationen. Kleine aktive Gemeinschaften können wertvoller sein als große stille Zahlen.

Ergänze konkrete Maßnahmen, die du selbst tragen kannst. Drei passende Podcast-Formate mit vorhandenem Kontakt sind glaubwürdiger als „umfangreiche Pressearbeit“. Trenne Bestand, verbindliche Zusagen und Ideen sichtbar voneinander.

8. Kommentierte Gliederung

Die Gliederung zeigt, ob deine Idee ein ganzes Buch trägt. Liste alle Kapitel in ihrer geplanten Reihenfolge. Ergänze pro Kapitel einen kurzen Absatz mit Kernfrage, Inhalt und Fortschritt für den Leser.

  • Beginnt das Buch bei einer echten Frage des Lesers?
  • Baut jedes Kapitel auf dem vorherigen auf?
  • Gibt es Wiederholungen oder gedankliche Sprünge?
  • Ist am Ende jedes Teils ein Fortschritt erkennbar?

Kapitelüberschriften dürfen Spannung erzeugen. Sie müssen zugleich verständlich bleiben. Eine originelle Überschrift plus erklärender Satz verbindet beides.

9. Leseprobe

Wähle Umfang und Kapitel nach den Einreichungsregeln. Die Leseprobe muss Ton, Erzählweise und fachliche Tiefe des geplanten Buches repräsentieren. Ein unfertiger Rohtext mit dem Hinweis auf spätere Überarbeitung schwächt das gesamte Paket.

Das erste Kapitel eignet sich, wenn es die Stimme und den Einstieg trägt. Ein anderes Kapitel kann stärker sein, wenn es Methode, Fallarbeit oder besondere Perspektive deutlicher zeigt. Erkläre kurz, warum du genau diese Passage gewählt hast.

Der Autoren Guide der Frankfurter Buchmesse gibt zusätzliche Orientierung zu Manuskript, Exposé, Agentur und Verlagssuche.

Ein kompaktes Exposé Beispiel

So kann die Logik auf einer Übersichtsseite aussehen:

Arbeitstitel: Der klare Experte

Untertitel: Wie Selbstständige aus komplexem Wissen ein verständliches Angebot formen

Zielgruppe: erfahrene Berater, Coaches und Fachexperten, deren Leistung erklärungsbedürftig ist und deren Anfragen häufig an fehlender Klarheit scheitern

Kernversprechen: Der Leser entwickelt in fünf Schritten eine Positionierung, die sein Fachwissen bewahrt und den Kundennutzen in einem Satz verständlich macht.

Abgrenzung: durchgehende Fallbeispiele, ein diagnostischer Prozess und Fokus auf Experten mit gewachsenem Leistungsportfolio

Autor: 15 Jahre Beratungserfahrung, mehr als 120 begleitete Positionierungsprojekte, eigener Newsletter mit dokumentierter Zielgruppenresonanz

Im vollständigen Exposé wird jeder Punkt belegt und vertieft. Die Übersicht hilft dem Empfänger, das Projekt sofort einzuordnen.

Die häufigsten Fehler beim Exposé schreiben

  1. Eine Vorlage wird unverändert übernommen. Der Zielverlag erkennt seine eigenen Anforderungen darin kaum wieder.
  2. Das Thema ersetzt das Nutzenversprechen. „Ein Buch über Führung“ sagt noch nichts über die Veränderung für den Leser.
  3. Die Zielgruppe bleibt riesig. Breite klingt nach Markt, erschwert jedoch Inhalt, Ansprache und Vertrieb.
  4. Vergleichstitel werden abgewertet. Eine faire Analyse wirkt sicherer und zeigt Branchenverständnis.
  5. Die eigene Reichweite wird aufgeblasen. Ungenaue Zahlen und lose Kontakte beschädigen Vertrauen.
  6. Die Gliederung nennt nur Stichworte. Ohne Kapitelbeschreibung bleibt offen, ob das Konzept trägt.
  7. Das Dokument ist übergestaltet. Eine klare Typografie, saubere Dateinamen und konsistente Formatierung reichen.
  8. Dasselbe Paket geht an jeden Verlag. Programm, Ansprechpartner und Einreichungsweg müssen passen.

Exposé an Verlag oder Literaturagentur schicken

Recherchiere zuerst die Passung. Welche vergleichbaren Bücher hat das Haus veröffentlicht? Passt dein Thema zum Programm? Ist eine direkte Einsendung vorgesehen? Gibt es ein Formular, einen Ansprechpartner oder konkrete Dateivorgaben?

Eine Literaturagentur kann bei Auswahl, Positionierung und Verhandlung helfen. Sie ist keine allgemeine Pflicht. Manche Verlage nehmen Direktbewerbungen an, andere arbeiten bevorzugt über Agenturen oder öffnen Einreichungsfenster. Die Website des jeweiligen Hauses ist die verlässlichste erste Quelle.

Schreibe eine kurze Begleitmail. Nenne Projekt, Passung zum Programm, Stand des Manuskripts und beigefügte Unterlagen. Sammelmails mit offenem Verteiler signalisieren das Gegenteil von Passung.

Häufige Fragen zum Buch-Exposé

Muss das Sachbuch fertig geschrieben sein?

Oft reicht bei Sachbüchern ein belastbares Exposé mit Leseprobe. Manche Verlage oder Themen verlangen mehr. Kläre den Manuskriptstatus transparent und folge der Ausschreibung.

Gehört das ganze Inhaltsverzeichnis hinein?

Eine vollständige kommentierte Gliederung ist bei Sachbüchern besonders hilfreich. Sie zeigt den gedanklichen Weg und den geplanten Umfang jedes Abschnitts.

Brauche ich schon einen finalen Buchtitel?

Ein klarer Arbeitstitel genügt. Er gibt dem Projekt eine Richtung. Der finale Titel entsteht häufig gemeinsam mit Verlag und Marketing.

Gehört eine Honorarvorstellung ins Exposé?

Nur wenn sie ausdrücklich verlangt wird. Im üblichen Erstkontakt liegt der Fokus auf Projekt und Passung. Vertragskonditionen folgen bei Interesse.

Darf ich künstliche Intelligenz als Schreibhilfe nutzen?

Du kannst Werkzeuge für Sortierung, Gegenfragen und Varianten verwenden. Verantwortung, Fakten, Positionierung und Stimme bleiben bei dir. Generische Formulierungen fallen besonders dort auf, wo persönliche Erfahrung und fachliche Entscheidung erwartet werden.

Exposé Checkliste vor dem Versand

  • Passt das Projekt erkennbar zum Programm des Empfängers?
  • Sind alle ausdrücklich verlangten Unterlagen enthalten?
  • Lässt sich der Pitch nach einmaligem Lesen wiedergeben?
  • Ist die primäre Zielgruppe über ihre Situation beschrieben?
  • Sind Nutzen und eigener Ansatz konkret?
  • Werden Vergleichstitel fair und aktuell eingeordnet?
  • Belegt die Vita deine Autorität für genau dieses Thema?
  • Trennt der Marketingteil vorhandene Reichweite und geplante Maßnahmen?
  • Zeigt die Gliederung einen nachvollziehbaren Lernweg?
  • Repräsentiert die Leseprobe die spätere Qualität?
  • Sind Dateinamen, Kontaktdaten, Rechtschreibung und Links geprüft?

Fazit: Das Exposé ist dein erster Konzepttest

Ein starkes Exposé verkauft kein Luftschloss. Es macht eine gute Buchidee entscheidbar. Der Empfänger erkennt Leser, Nutzen, Markt, Aufbau und Autor in einem zusammenhängenden Bild.

Und du selbst erkennst, wo dein Projekt schon trägt und wo du bisher gesammelt hast, ohne zu verdichten. Genau dafür lohnt sich die Arbeit, auch wenn du später einen anderen Veröffentlichungsweg wählst.

Wenn du danach den passenden Verlag suchst, führt dich der nächste Schritt zu Wie findet man einen Verlag für ein Buch?

Markus Coenen — Autorencoach

Markus Coenen

Autorencoach für Unternehmer und Experten. Begleitet seit 2003 Sachbuchprojekte von der Idee über das Buch bis zur Wirkung im Markt. Über 250 begleitete Buchprojekte.

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