Preisspannen, Abrechnungsmodelle und wo die Qualität wirklich entscheidet. Was Lektorat kostet, und worauf du achten musst, um nicht doppelt zu zahlen.
Was ein Lektorat umfasst (und was nicht)
Bevor du über Preise sprichst, musst du über Leistung sprechen. „Lektorat" ist kein definierter Begriff. Drei Stufen sind üblich.
Korrektorat. Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung. Günstiger und weniger tiefgreifend.
Lektorat (klassisch). Ergänzt um Stil, Ausdruck und Verständlichkeit, häufig auch Struktur und roter Faden. Teurer und zeitintensiver.
Content- oder strukturelles Lektorat. Umfasst tiefere inhaltliche und dramaturgische Begleitung. Oft separates Angebot oder Aufpreis.
Je umfassender das Lektorat, desto höher Zeitaufwand und Preis.
Wie Preise zustande kommen
Drei Abrechnungsmodelle sind üblich.
Normseite. Eine Normseite hat etwa 30 Zeilen mit je 60 Zeichen — etwa 1.500 Zeichen inklusive Leerzeichen. Die meisten Lektorate rechnen pro Normseite ab.
Zeichen. Manche rechnen Honorare pro 1.000 oder 1.500 Zeichen. Mathematisch dasselbe, optisch anders.
Stunde. Bei unklarem Umfang oder Coaching-Anteil erfolgt die Abrechnung stundenweise.
Zusätzlich beeinflussen Erfahrung, Spezialisierung (Sachbuch oder Belletristik) und Nachfrage den Stundensatz beziehungsweise Seitenpreis.
Grobe Preisspannen
| Leistung | Orientierung (circa) |
|---|---|
| Korrektorat pro Seite | 2 bis 5 Euro |
| Lektorat pro Seite | 5 bis 15 Euro |
| Lektorat pro Stunde | 40 bis 80 Euro |
| Komplettes Sachbuch (z. B. 200 NS) | 1.000 bis 3.000 Euro |
Die Spannen sind bewusst groß. Regionale und fachliche Unterschiede sind üblich. Wer den günstigsten Anbieter wählt, bekommt oft auch genau das — den günstigsten.
Worauf du bei der Auswahl achten solltest
Leistungsbeschreibung. Was genau ist inbegriffen? Nur Korrektur oder auch Stil und Struktur? Lass dir das schriftlich geben.
Probe. Eine Probekorrektur (drei bis fünf Seiten) zeigt, ob Stil und Tiefe passen. Gute Lektoren machen Proben — meist gegen geringe Gebühr oder kostenlos bei größeren Aufträgen.
Referenzen und Spezialisierung. Hat der Lektor Erfahrung mit deinem Genre? Ein Belletristik-Lektor bei einem Wirtschaftsbuch ist suboptimal, auch wenn die Sprachkompetenz da ist.
Vertrag und Deadline. Kläre Umfang, Preis, Fristen und Nutzungsrechte schriftlich. Auch bei „guten Bekannten". Gerade da.
Was du jetzt tun kannst
Hol drei Angebote ein. Nicht eines, nicht zehn. Drei.
Lass alle drei eine Probekorrektur machen — am selben Textauszug. So vergleichst du nicht nur Preise, sondern Qualität.
Dann entscheidest du. Meist ist die mittlere Option preislich und qualitativ der beste Kompromiss. Die billigste Option ist selten gut. Die teuerste ist selten doppelt so gut wie die mittlere — auch wenn sie doppelt kostet.
Ein qualitatives Lektorat ist die größte Einzelinvestition in dein Buch nach der Schreibzeit. Es entscheidet, ob du in zehn Jahren stolz auf dein Buch bist oder es lieber nicht mehr siehst.