Sachbuch-Umfang: was Verlage erwarten, was Leser akzeptieren, und warum die Frage nach der Seitenzahl eigentlich falsch gestellt ist.
Was die Seitenanzahl beeinflusst
Die Seitenanzahl eines Buches ist nicht die richtige Planungsgröße. Sie ist das Ergebnis von vier Faktoren:
- Textmenge: Gesamtzahl der Zeichen oder Wörter
- Satzspiegel: Schriftart, -größe, Zeilenabstand, Seitenränder
- Format: ein Taschenbuch (12 × 19 cm) erzeugt mehr Seiten als ein Hardcover bei gleichem Inhalt
- Genre: verschiedene Gattungen haben unterschiedliche Konventionen
Richtwerte nach Genre
| Genre | Typische Druckseiten (Taschenbuch) |
|---|---|
| Roman | 200 bis 400 |
| Sachbuch | 150 bis 350 |
| Ratgeber | 100 bis 250 |
| Kurzes E-Book | 50 bis 100 (bei Druck) |
Normseite und Zeichen als Planungsgröße
Verlage arbeiten nicht in Druckseiten, sondern in Normseiten.
Eine Normseite hat 30 Zeilen mit je etwa 60 Zeichen — also etwa 1.500 Zeichen inklusive Leerzeichen.
Ein Manuskript mit 90.000 Zeichen entspricht etwa 60 Normseiten. Nach professionellem Satz entstehen daraus etwa 120 bis 180 Druckseiten, je nach Layout-Gestaltung.
Als Autor planst du mit Zeichen oder Wörtern. Zum Beispiel 50.000 bis 80.000 Wörter für mittellange Sachbücher. Die endgültige Seitenzahl ergibt sich aus dem professionellen Umbruch.
E-Books: „Seiten" als Anzeige
E-Reader (Kindle, Tolino) berechnen Seitenanzahlen aus Zeichenanzahl und Nutzereinstellungen — also der gewählten Schriftgröße. Angaben wie „ca. 250 Seiten" im Shop sind Schätzungen für eine Standardeinstellung. Sie dienen nur der Orientierung, nicht der genauen Längenbestimmung.
Was du jetzt tun kannst
Plan dein Buchprojekt in Wörtern oder Zeichen, nicht in Seiten. Setz dir ein realistisches Ziel — etwa 50.000 bis 80.000 Wörter für ein Sachbuch. Schreib dich darauf zu. Die Seitenzahl ergibt sich am Ende von selbst und ist im Verlagskontext sowieso eine technische Größe, nicht deine.
Wer von vornherein „300 Seiten schreiben" will, hat keine Planung. Wer von vornherein „70.000 Wörter, davon 4.000 pro Kapitel" plant, weiß, was er morgen früh tun muss.