Die häufigste Selbsttäuschung bei Buchprojekten neben dem Hauptberuf: zu glauben, das Hindernis sei die Schreibfähigkeit. In neun von zehn Fällen ist es die Wochenstunden-Verfügbarkeit, und sie wird systematisch überschätzt.
Die ehrliche Rechnung. Bei zehn geschützten Wochenstunden über zwölf Monate sind das 520 Stunden am Buch. Davon gehen mindestens hundert Stunden in Konzept und Recherche, dreihundert in Manuskript-Schreiben, hundert in Lektorat-Überarbeitung, zwanzig in Produktion. Wer unter zehn Stunden pro Woche bleibt, riskiert, dass jede neue Schreibsession mit Wiedereinarbeitung beginnt und der Netto-Output unter fünfzig Prozent fällt.
Was „geschützte Stunden" heißt. Nicht „in Lücken arbeiten", sondern feste Schreib-Blöcke. Zwei bis drei Vormittage pro Woche, jeweils drei bis vier Stunden am Stück, ohne Mail, ohne Telefon, ohne Familien-Notfall-Bereitschaft. Wer das aus dem aktuellen Wochenkalender nicht herausschneiden kann, schreibt kein Buch in zwölf Monaten, egal wie talentiert er ist.
Die Obergrenze. Wer über zwanzig Wochenstunden hinaus auf das Buch packt und das nicht jahrelang als Routine trainiert hat, brennt in Phase 2 aus. Schreib-Tiefe ist anstrengend wie Marathon-Training. Mehr Stunden heißt nicht mehr Output, sondern mehr Reib-Verlust und mehr Streichungen in der nächsten Schleife. Zehn bis fünfzehn ist der Sweet Spot für die meisten Hauptberufs-Autoren.
Vollzeit am Buch. Klingt nach Beschleunigung. Ist es selten. Wer fünf Tage die Woche acht Stunden schreibt, produziert nach drei Wochen Text, der gestrichen wird. Tiefen-Konzentration lässt sich nicht über vierzig Wochenstunden ausdehnen, ohne dass die Substanz leidet. Vollzeit-Autoren arbeiten in der Regel vier Stunden konzentriert pro Tag, der Rest geht in Recherche, Pausen und Sortier-Arbeit.