Der Gesamtablauf von der ersten Notiz bis zur Druckfreigabe. Zehn Schritte, sequenziell. Wer sie überspringt, schreibt entweder gar nichts oder ein Buch, das keiner liest.

Warum zehn Schritte

Ein Sachbuch zu schreiben wirkt am Anfang überwältigend. Das liegt selten am Schreiben selbst. Es liegt daran, dass die meisten Autoren keinen Plan haben, in welcher Reihenfolge die Arbeit zu tun ist.

In über zwanzig Jahren habe ich mehr als 250 Buchprojekte begleitet. Bei jedem einzelnen war die Reihenfolge der gleiche Hebel. Wer Schritt 6 vor Schritt 3 angeht, schreibt sich um Kopf und Kragen. Wer Schritt 1 weglässt, landet bei Schritt 7 in der Sackgasse.

Hier sind die zehn Schritte, in der Reihenfolge, in der sie wirklich funktionieren.

Schritt 1 — Thema und Kernbotschaft

Bevor du irgendetwas schreibst, brauchst du einen Satz. Einen einzigen Satz, in dem dein Buch steckt. Worum geht es? Was ist die zentrale Aussage? Welchen Nutzen hat der Leser?

Wenn du diesen Satz nicht hast, wirst du auf 200 Seiten dauernd verloren gehen. Du wirst Kapitel schreiben, die woanders hingehören. Du wirst Themen anreißen, die nicht beantwortet werden. Und du wirst den Leser verlieren.

Ein guter Kernsatz ist konkret, prüfbar und einseitig. Konkret heißt: kein Allgemeinplatz. Prüfbar heißt: nach dem Lesen merkt der Leser, ob das Versprechen eingelöst wurde. Einseitig heißt: du nimmst eine Haltung ein, du wiegst nicht ab.

Schritt 2 — Zielgruppe

Wer liest dein Buch? Und vor allem: Wer soll es lesen?

Vermeide den klassischen Fehler „Für alle Frauen zwischen 30 und 50". Das ist demografisch. Demografisch bringt dir nichts. Du brauchst psychografische Schärfe: Welches Problem hat dein Leser gerade jetzt? Was hält ihn nachts wach? Welche Lösungen hat er schon ausprobiert, die nicht funktioniert haben?

Je präziser du deinen Leser kennst, desto präziser kannst du schreiben. Tonfall, Tiefe, Beispiele — alles ergibt sich aus der Frage, wer da am anderen Ende sitzt.

Schritt 3 — Konkurrenz und Positionierung

Schau dir an, was es schon gibt. Lies die fünf wichtigsten Bücher zu deinem Thema. Vollständig.

Dann beantworte zwei Fragen: Was machen diese Bücher gut? Und wo ist die Lücke?

Wenn du sagst „Es gibt kein Buch wie meines", hast du entweder nicht recherchiert oder es gibt keinen Markt. Beides ist schlecht. Was du brauchst, ist Verortung: „Für Leser von X und Y, aber mit dem neuen Fokus auf Z." Das ist Positionierung. Und Positionierung ist der Unterschied zwischen einem Buch, das verkauft wird, und einem, das im Lager liegt.

Schritt 4 — Grobstruktur

Jetzt kommt die Architektur. Ein Sachbuch braucht einen roten Faden. Einleitung, Hauptteil, Schluss — das reicht nicht. Du brauchst eine Logik, die den Leser von Kapitel 1 bis Kapitel 12 zieht, ohne dass er den Faden verliert.

Schreib alle Kapitelüberschriften auf. Schreib zu jedem Kapitel zwei bis drei Sätze, was darin passiert. Dann leg das Ganze beiseite und schau eine Woche später drauf. Wenn die Reihenfolge dich noch immer überzeugt, hast du eine Struktur. Wenn nicht, fängst du hier an, nicht in Kapitel 1.

Schritt 5 — Exposé

Das Exposé ist die verdichtete Version deines Buches. Zielgruppe, Positionierung, Kernbotschaft, Struktur, Autorenvita — alles auf zehn bis zwanzig Seiten.

Das Exposé brauchst du, wenn du zu einem Verlag willst. Aber du brauchst es auch, wenn du selbst veröffentlichst. Es ist dein Kompass für die nächsten Monate. Wer ohne Exposé schreibt, schreibt sich oft in eine Richtung, die er später bereut.

Mehr dazu: Exposé für Sachbuch — der Leitfaden.

Schritt 6 — Schreibplan

Schreiben braucht Zeit. Und Zeit muss man sich nehmen, sonst hat man sie nicht.

Definiere konkrete Schreibzeiten. Konkret heißt: nicht „ich schreibe abends", sondern „Dienstag und Donnerstag von 19 bis 21 Uhr". Definiere ein realistisches Tagesziel — eine bestimmte Wortzahl oder ein bestimmtes Kapitel-Stück. Realistisch heißt: was du auch dann schaffst, wenn dein Tag schon voll war.

Eine gute Faustregel: 500 Wörter pro Schreibtag. Das klingt wenig. Bei drei Schreibtagen pro Woche sind das in einem halben Jahr ein Manuskript-Rohgerüst.

Schritt 7 — Rohfassung

Schreib die erste Version durch. Ohne Korrektur. Ohne Recherche-Nachholarbeit. Ohne dass du jeden Satz dreimal liest.

Die Rohfassung ist nicht das fertige Buch. Sie ist Material. Material, mit dem du in Schritt 8 arbeitest. Wer in der Rohfassung schon perfekt schreiben will, kommt nie zur Überarbeitung. Wer in der Rohfassung Volumen und Klarheit priorisiert, hat in Schritt 8 etwas in der Hand, das er wirklich verbessern kann.

Schritt 8 — Überarbeitung

Jetzt wird das Buch geschrieben. Wirklich.

Du prüfst die Struktur: trägt der rote Faden? Du eliminierst Wiederholungen — die in jeder Rohfassung drinstehen. Du schärfst den Stil. Du fragst dich bei jedem Absatz: Was nützt das dem Leser?

Die Überarbeitung ist die Phase, in der das Buch wird, was es sein soll. Das dauert meist genauso lange wie die Rohfassung. Manchmal länger. Wer hier abkürzt, liefert Halbgares ab.

Schritt 9 — Lektorat

Spätestens jetzt holst du dir Fremdaugen. Externes Lektorat ist Geld wert. Wenn das Budget nicht reicht, mindestens drei kritische Testleser, die ehrlich sind.

Höre auf das Feedback. Verwerfe es, wenn es nicht passt — aber höre erstmal hin. Wenn drei Leser dasselbe Problem in Kapitel 4 sehen, ist das kein Geschmack. Das ist ein Problem.

Mehr zum Unterschied: Korrektorat vs. Lektorat.

Schritt 10 — Fertigstellung

Letzte Korrekturen. Formatierung. Manuskript-Aufbereitung für Verlag oder Selfpublishing-Plattform.

Das ist der unsexy Teil. Aber er entscheidet, ob dein Buch professionell wirkt oder nach Eigenverlag riecht. Investiere die Zeit. Mach es einmal richtig. Dann hast du ein Sachbuch, das du in zehn Jahren noch verschenken kannst, ohne dich zu schämen.

Die ehrliche Bilanz

Zehn Schritte. Sequenziell. Das ist nicht das einzig mögliche Modell. Aber es ist das, das ich aus 250+ Buchprojekten destilliert habe und das funktioniert.

Wenn du Schritt 1 sauber machst, sparst du dir in Schritt 7 zehn Wochen Korrektur. Wenn du Schritt 3 wirklich durchziehst, schreibst du in Schritt 4 ein Buch, das eine Position hat. Wenn du Schritt 9 nicht abkürzt, gibst du in Schritt 10 etwas ab, auf das du stolz sein kannst.

Die Reihenfolge ist der eigentliche Hebel. Nicht das einzelne Schritt.

Markus Coenen — Autorencoach

Markus Coenen

Autorencoach für Unternehmer und Experten. Begleitet seit 2003 Sachbuchprojekte von der Idee bis zum Bestseller. Über 250 begleitete Buchprojekte.

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