Wer Selfpublishing als Option erwägt, will Zahlen, keine Versprechen. Die Verteilung sieht aus eigener Praxis und aus den verfügbaren Marktdaten so aus:
Rund 95 Prozent aller Selfpublishing-Sachbücher verkaufen unter 500 Exemplare. Das klingt brutal, ist aber die statistische Realität. Die meisten dieser Bücher werden veröffentlicht und nie wirklich vermarktet. Sie liegen als Visitenkarte im Regal des Autors, werden bei Vorträgen verteilt, finden ein paar Käuferinnen über das persönliche Netzwerk. Das ist nicht zwangsläufig ein Misserfolg, wenn das Buch genau dafür gemacht wurde. Es ist ein Misserfolg, wenn der Autor 20.000 Exemplare erwartet hat.
Die mittleren 4 Prozent landen zwischen 500 und 5.000 Exemplaren. Hier sitzen die Selfpublishing-Sachbücher, die ernsthaft vermarktet werden, eine sichtbare Autorinnen-Marke hinter sich haben und in einer halbwegs definierten Nische verkaufen. Das ist der realistische Zielbereich für ein gut gemachtes Business-Sachbuch im Selfpublishing.
Das oberste Prozent kratzt 10.000 und mehr. Selten, aber möglich. In allen mir bekannten Fällen mit einer starken Plattform im Hintergrund: Speaker mit fester Bühnen-Präsenz, Coach mit großer E-Mail-Liste, Unternehmer mit aktiver Community. Selfpublishing-Bestseller entstehen nicht durch das Buch, sie entstehen durch das, was vor dem Buch schon da war.
Zum Vergleich: bei Verlagstiteln im Sachbuchsegment sieht die Verteilung nicht radikal anders aus. Die Mehrzahl der Verlagstitel verkauft sich unter 2.000 Exemplaren, der Rest folgt einer Long-Tail-Kurve. Spiegel-Bestseller sind im Sachbuch eine kleine Minderheit, und sie entstehen fast immer dort, wo Autor und Verlag gemeinsam massiv Sichtbarkeit aufgebaut haben. Wer im Selfpublishing 2.000 verkauft, hat statistisch dasselbe Niveau wie viele Verlagstitel.
Diese Zahlen sind kein Argument gegen Selfpublishing. Sie sind ein Argument gegen Illusion. Wer mit einem realistischen Zielbild startet (500 bis 3.000 Exemplare im ersten Jahr, mit klaren Hebeln) und seine Marge sauber rechnet, kann im Selfpublishing besser verdienen als mit vielen Verlagsverträgen.