30 Minuten, kein Material außer deinem Exposé-Entwurf und einem Rotstift. Wer alle drei sauber besteht, hat ein Exposé, an das man als Lektorin andocken kann. Wer an zweien wackelt, hat Bau-Arbeit vor sich, kein Formulierungs-Problem.
Der Erste-Halbseite-Test. Decke alles unter der ersten halben Seite ab. Lies nur die ersten zwei bis drei Sätze deiner Kurzbeschreibung. Weiß ein Fremder jetzt schon, worum es geht, für wen, und was das Buch von zehn anderen Büchern zum gleichen Thema unterscheidet? Wenn nicht, hat das Lektorat keinen Grund, die nächste Seite zu lesen. Lektorinnen haben den Stapel ausgesiebt, bevor du den ersten Kaffee getrunken hast.
Der Konkurrenz-Test. Schreibe vor jeden deiner Konkurrenz-Titel im Vergleich, an wen sich das Konkurrenz-Buch konkret richtet und worin du dich davon konkret unterscheidest. Nicht „mein Buch ist anders", sondern „Buch X richtet sich an A und löst Problem B mit Methode C. Mein Buch richtet sich an D und löst Problem E mit Methode F." Wenn du diesen Satz nicht für jeden der drei bis fünf Titel sauber bauen kannst, ist deine Positionierung im Exposé noch nicht scharf.
Der Vermarktungs-Test. Streiche aus deinem Vermarktungs-Abschnitt alle Sätze, die mit „ich werde", „ich plane" oder „ich hoffe" anfangen. Was bleibt? Wenn nichts bleibt, ist dein Vermarktungs-Konzept hohl. Wenn drei konkrete bereits laufende Kanäle bleiben (LinkedIn-Reichweite mit Zahl, Newsletter mit Größe, Vortragstätigkeit mit Frequenz), bist du ernst zu nehmen. Verlage finanzieren Bücher, deren Autoren schon Reichweite haben. Nicht die, deren Autoren Reichweite versprechen.
Diese drei Tests sind keine Diagnose, sondern ein Sortier-Werkzeug. Wer sauber durchkommt, kann verschicken. Wer an einem hängt, überarbeitet zuerst und reicht dann ein. Die Stunde, die das jetzt kostet, ist die billigste Stunde im ganzen Einreichungs-Prozess.