Fünfzehn Minuten, ein leeres Blatt, drei Tests. Wer alle drei besteht, hat einen Untertitel, der das Cover trägt. Wer an einem hängt, weiß genau, wo die Arbeit liegt.
Der Standalone-Test. Verdecke den Titel. Liest sich der Untertitel allein noch sinnvoll? Wenn der Untertitel ohne Titel zusammenbricht, weil er nur Ergänzung war, hast du noch keinen Untertitel, sondern eine Subline. Ein guter Untertitel hat eine eigene Aussage, die mit dem Titel zusammen mehr wird als jede Zeile allein. Ein schlechter Untertitel ist ohne Titel nichts.
Der Streich-Test. Streiche den Untertitel komplett. Fehlt etwas Wesentliches? Wenn nein, war er Dekoration. Wenn ja, was genau? Wer diese Frage beantworten kann, hat den Auftrag des Untertitels verstanden. Wer sie nicht beantworten kann, schreibt einen Untertitel, weil er glaubt, dass ein Sachbuch einen braucht, nicht weil er etwas zu sagen hat.
Der Sprech-Test. Sage Titel und Untertitel laut in einem Atemzug. Geht das ohne Stocken? Klingt das natürlich? Wenn dir bei „und" oder „mit" der Atem ausgeht oder du die Reihenfolge zweimal überlegen musst, ist die Zeile zu lang oder die Wortwahl zu sperrig. Ein guter Untertitel sitzt nicht nur auf dem Cover, er funktioniert auch in der Buchhandlung, wenn jemand sagt: „Ich suche das Buch von …" und sich an Titel plus Untertitel erinnert.
Diese drei Tests sind handwerklich, nicht kreativ. Wer sie nicht besteht, hat ein Konzept-Problem, nicht ein Formulierungs-Problem. Mehr Adjektive helfen nicht. Klärung der Untertitel-Substanz schon.