Ich rede den Zweifel nicht weg. Das funktioniert nicht und wäre auch falsch, denn er gehört zu den Menschen, mit denen zu arbeiten sich lohnt. Stattdessen drehe ich die Frage um. Nicht „Bist du gut genug?", sondern „Für wen genau bist du der Richtige?". Diese Verschiebung nimmt dem Vergleich mit den Größten die Macht, weil sie die Aufmerksamkeit von der eigenen Person weg und zur konkreten Leserin hin lenkt.
Der zweite Schritt ist das Sichtbarmachen der Substanz. Viele Autorinnen und Autoren unterschätzen, was sie wissen, weil es ihnen selbstverständlich vorkommt. Ich frage so lange nach, bis das, was für sie banal ist, als das erkennbar wird, was es für andere ist: ein entscheidender Vorsprung. Wer einmal schwarz auf weiß sieht, wie viel an gelebtem Wissen in ihm steckt, argumentiert anders mit dem inneren Kritiker.
Der dritte Schritt ist der Austausch mit anderen, die denselben Weg gehen. Der Zweifel lebt von der Isolation. Solange du glaubst, der Einzige zu sein, der zweifelt, hat der Kritiker freie Bahn. Sobald du Menschen triffst, die du fachlich respektierst und die dieselben Zweifel kennen, verliert dein eigener Zweifel an Gewicht. Genau dafür gibt es die Autoren-Lounge: einen Ort, an dem aus dem einsamen Hochstapler ein Autor unter Autoren wird.
Das Ziel ist nie, dass der Zweifel verschwindet. Das Ziel ist, dass er nicht mehr verhindert, dass dein Wissen die Menschen erreicht, die darauf warten. Das Buch entsteht nicht, weil der Zweifel weg ist. Es entsteht, weil du ihn schreiben lässt, ohne ihn ans Steuer zu lassen.